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Konflikte als Nullsummenspiele
Der Streit um die Orange
... Wären die beiden Schwestern auf die Idee gekommen,
sich nach ihren jeweili- gen wirklichen Interessen
zu erkundigen, dann hätten sie herausgefunden,
dass die eine Schwester den Saft der Orange
auspressen wollte und die andere aus- schließlich
die Schale benötigte, um einen Kuchen zu backen. Die richtige
Lösung wäre ganz einfach gewesen:
Die eine bekommt die komplette
Schale, die andere das gesamte Fruchtfleisch.
Dieses Beispiel von Mary Parker Follett macht zwei sehr wichtige
Aspekte der Lösung von Konflikten deutlich:
1. Interessen statt Positionen
Es ist wichtig, sich nicht in erster Linie auf
die geäußerte Position eines Kontrahen- ten
zu konzentrieren,
sondern die dahinter liegenden Interessen zu erkunden.
Diese lassen sich u.U. auch auf eine ganz andere
Weise befriedigen, als es sich zunächst darstellt.
Die Positionen der beiden Schwestern etwa zielten
darauf ab, die gesamte Orange zu
bekommen. Ihre
eigentlich zugrunde liegenden Interes- sen aber
ließen sich tatsächlich
auch sehr viel intelligenter
erfüllen.
2. Nullsummenspiele
Viele Menschen betrachten Konflikte grundsätzlich
als sogenannte "Nullsummen- spiele". Jeder Vorteil
für den Kontrahenten bedeutet einen Nachteil für
mich selbst und umgekehrt. Die Gesamtsumme jeder
Lösung beträgt immer Null. Jedes Stück vom Kuchen,
das der andere bekommt, schmälert den eigenen Anteil.
Sein Gewinn ist mein Verlust.
Für manche Auseinandersetzungen mag das tatsächlich
so sein. Für viele andere Konflikte aber lassen
sich durchaus kreativere, integrative Lösun- gen
finden. Das funktioniert aber nur, wenn die Beteiligten aktiv
nach Vorteilen für beide Seiten suchen! Durch das
gründliche Aufdecken der Interessen lassen sich oft
Lösungsmöglichkeiten entwickeln,
die den Kuchen insgesamt größer machen, so dass
für alle größere Stücke zur Verfügung
stehen: so wie im Fall der intelligent zu teilenden Orange.
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